Der gerettete Picò

„Las Meninas“, das Diego Velázquez 1656 malte, ist wohl eines der meist besprochenen Gemälde der gesamten Kunstgeschichte und gleichzeitig auch eine eigene Geschichte der Bild-Interpretation. Alle abgebildeten elf Protagonisten wurden schon von allen denkbaren Seiten analysiert, ihre differenzierten Beziehungen zueinander – und die zum Bildbetrachter. Nur der zwölfte nicht: der Hund im Vordergrund. Er hieß Picò. Nach einem Biss in die Wade des Großinquisitors, ausgelöst durch tiefe Verletzungen von spitzen Stilettos an seinem Schwanz (der gleich kupiert werden musste), bezichtigte jener den Hund als vom Teufel besessen. – Velázquez war es, der Picò vor dem sicheren Scheiterhaufen rettete und mit dieser prominenten Bild-Platzierung gleichzeitig ein heroisches Zeichen von Klerus-Kritik setzte.
Aus der Reihe: artefaked – alternative Fakten zur Kunst.
