Chiaro – Scuro

Michelangelo Merisi da Caravaggio: «Die Dornenkrönung», 1601. Kunsthistorisches Museum, Wien.

Michelangelo Merisi da Caravaggio – ein Name wie ein Superlativ! Und ein Leben wie ein Hollywood-Blockbuster – rasant, spannend, geheimnisvoll, gewaltig – genau so wie seine Bilder. Obwohl keinem Maler soviel präzise Realistik zugeschrieben wird wie ihm, haben sie bei genauerer Betrachtung rein gar nichts mit Realität zu tun. Caravaggio beleuchtet das, was ihm für die Komposition wichtig ist, ohne Rücksicht auf physikalische Gesetze. Es sind willkürliche Inszenierungen von Licht und Schatten wie sie erst im Surrealismus wieder zu finden sind. Er ging sogar soweit, in seiner „Dornenkrönung Christi“ von 1601 einem der Schergen je sechs Finger zu verleihen, um die Brutalität seines Handwerks zu intensivieren. Giovanni Baglione, ein verbissener Rivale, verpfiff seinen Feind jedoch beim Auftraggeber Kardinal del Monte, der dem Kunstgriff zu Beginn keine Beachtung schenkte, Caravaggio aber nach seiner Rückkehr nach Rom doch zu einer malerischen Korrektur zwang.


Aus der Reihe: artefaked – alternative Fakten zur Kunst.